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Am Abend des folgenden Tages weiteten sich die Augen des Wanderers zusehends, der seine alte Heimat, die er so lange Zeit gemieden hatte, wieder erkannte. Nach einem weiteren Tag stummen Reitens hatten sie ihr Ziel erreicht und Kendram liess im Schutz eines Wäldchens ein Lager errichten. Für die kommende Nacht galt strengstes Feuerverbot. Zu nah schien die Gelegenheit, des flüchtigen Tyrannen habhaft zu werden und zu gross die Gefahr, ihn durch den Schein eines Feuers oder eine einzige Rauchwolke in die Flucht zu schlagen. Nur flüsternd wagten diejenigen miteinander zu sprechen, die des völligen Schweigens nach einigen Stunden überdrüssig geworden waren. Nicht einmal Zelte wurden errichtet, da auch die Haken nur mit lauten Hammerschlägen in den Untergrund hätten getrieben werden können. Eine fast unheimliche Stille lag über dem Lager und schien sich, wie die „Ruhe vor dem Sturm“ über den gesamten Wald und das Gebirge auszubreiten.

In völliger Dunkelheit sassen die Soldaten im Wald. Manche von ihnen kauten auf einem Stück getrockneten Fleisches, andere versuchten, selbst lautlos Wasser aufzunehmen, als die Späher von ihrem Vorstoss zu den Höhlen wiederkehrten. Meister der Tarnung und des Schleichens, hatten sie um die Hufe ihrer Pferde dicke Lumpen gebunden, um so das klappernde Geräusch auf den Felsen zu dämmen. Die Frage, die einigen der Männer im Lager auf der Zunge brannte, wie sie denn bei völliger Dunkelheit und Schweigepflicht zu ihnen zurückgefunden hatten, beantworteten sie nur mit einem vielsagenden Lächeln, welches alleine schon so manchem der fast übervorsichtigen Soldaten die Schamesröte ins Gesicht steigen liess.

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