[…] Wieder Marschieren, wieder Sonnenschein. Hörte das nie auf? Ein Abenteuererleben könnte so angenehm sein, wenn nicht das ständige Herumlaufen gewesen wäre. Wommel, Wommel, wo soll das bloß hinführen? Nach ein paar schwitzend zurückgelegten Kilometern an den Rand eines dunklen Eichenwaldes. Von der angeblichen Paßstraße hatte der Halbling dagegen nichts, aber auch gar nichts mitbekommen. Genauso wenig, wie von den eindringlichen Ermahnungen der Zauberin, das Verhalten im Wald betreffend. Aber hey, bloß Bäume und Büsche – was sollte da schon schiefgehen? Bäume gab es auch in Bombelroff, man schnitzte da Herzen und diversen Schabernack hinein, benutzte sie als Toilettenersatz, kletterte hinauf, wenn der Schäferhund des Nachbarn einen jagte, sägte Äste ab, um seinen Grill damit zu befeuern – doch, Bäume waren quasi ein Spezialgebiet der Halblinge des Nordens. „Ihr habt Euch alles gemerkt?“ fragte Ganêra. „Selbstredend.“ schallte die vielstimmige Antwort; Wommel wollte da nicht hintenanstehen und fügte noch ein „sogar besonders gut“ hinzu. „Oh weh.“ „Was habt Ihr gesagt, o Zauberin?“ „Nichts, gar nichts. Hinein denn, dem Trampelpfad gefolgt, welcher seit Alters her als „Trampelpfad“ bekannt ist.“

Wer jetzt erwartet hat, daß es im Wald richtig Ärger gab, wurde enttäuscht. Der eine oder andere Gnom riß sich bloß seinen Umhang an dornigen Ranken ein und Wommel trat einmal in einen übel duftenden Haufen – das war das gesamte Unglück des Waldspaziergangs, bis...

...die Abenteuerergruppe an einen breiten, schwarzen Fluß kam. Das Hauptübel war dabei, daß die Zauberin schon wieder einmal verschwunden war, auf jeden Fall auf die Schnelle nicht auffindbar; man hielt es damit mit erprobter „sie-wird-schon-wieder-auftauchen-Manier“, selbst der Halbling, der keine Muße hatte, sich mit Sorgen zu belasten. So etwas führte zu Magengeschwüren und Migräne, möglicherweise sogar zu Haarausfall an den Füßen!

Hat die Zauberin etwas bezüglich Flüssen gesagt, oder nur bezüglich des Waldes?“ fragte Mölf seine Streiter, zu denen er auch Wommel zählte, wenn es ihm gerade in den Kram paßte. „Wir sollen auf den Wegen bleiben und keinen Unrat ins Gebüsch schmeißen.“ überlegte Mürbel und die Zwillinge wußten zu ergänzen: „Keine Vögel erschrecken, keine rot schillernden Beeren pflücken – und erst recht nicht essen -, einlullenden Stimmen nicht ins Unterholz folgen.“ Auch Urps wußte noch etwas beizutragen: „Kein Flußwasser – oh, den Rest hab ich vergessen.“ „Sie meinte sicher nicht baden!“ grübelte Ambrasuriel, was in Gnomohren äußerst überzeugend klang. Wommel konnte das weder dementieren, noch bestätigen. Er konnte jedoch einen Vorschlag unterbreiten, was das weitere Vorgehen betraf. „Die Zauberin wünscht, daß es vorangeht, folglich sollten wir hier nicht untätig rumstehen, sondern unseren Marsch fortsetzen. Ich schlage vor, daß wir mit dieser Fähre da drüben übersetzen.“ Alle drehten die Köpfe in die angegebene Richtung; ja, eine Fähre, zweifelsohne. Ein breites, stabiles Floß, auf dem zwei kräftige menschliche Staker in erdbraunen Kitteln standen, und eine Hütte am diesseitigen Flußufer, an der ein Schild mit der Aufschrift „Flußfähre“ baumelte. Bei der Fähre erlebten die Reisenden allerdings mal wieder eine unangenehme Überraschung. „Drei Heller pro Person?“ plärrte Mölf mit rotanlaufendem Kopf. „Das ist Wucher!“ kreischte Mürbel, ganz außer sich. „Ein halber Heller, das mag noch angehen!“ Der Kassierer, ein behäbig wirkender Gestrüppelf, dessen Bierbauch beim Sesselsitzen unter seiner vor Dekaden modischen lindgrünen Joppe hervorquoll, meinte nur trocken: „Schwimmen kostet nix.“ Wommel hätte gerne drei Heller berappt, doch wovon nehmen? Nein, Kredit gab der Kassierer nicht. Erst recht nicht einem Abenteuerer, der nicht einmal eine Waffe mit sich führte. „Wir weigern uns zu zahlen!“ schimpfte Mölf, Worte, die beim Elfen nur ein Achselzucken hervorriefen.

Kann mich mal dreifach, dieser Sesselpupser.“ Der Halbling störte den Hauptmann, der gar nicht mehr aufhörte zu schimpfen, nur ungern, doch es mußte sein. „Gebt mir doch mal drei Heller, Ihr könnts wieder am Ende von meinem Anteil oder Lohn abziehen.“ „Du willst diesem Aasgeier Geld in den Rachen schmeißen?“ Die Gnome spuckten gleichzeitig aus. „Für diese Schmach werden wir Dir am Ende vier Heller abziehen!“ knurrte Mürbel. Es ging einfach gegen gnomische Prinzipien: Niemals Steuern, Wegzoll, Brücken- und Fährengebühren bezahlen, und gerne auch die Zeche prellen, wenn gesichert war, daß man damit durchkam. Auch Wommel zahlte so wenig wie möglich; auf der anderen Seite sah er hier keine Alternative. Und wieder war Ganêra nicht da, um zu sehen wie vernünftig er war. Ganz im Gegensatz zur Gnomenbande. Und er würde nur drei Heller anrechnen lassen! […]