Erwachsen werden – oder so…



Es traf mich mit einer Wucht, die den Stärksten Boxer umgehauen hätte! Dunkle Haare, blaue Augen zum versinken, groß, Traumbody! So musste das Paradies aussehen und ich hatte es gefunden. Leider hielt es nur zwei Minuten an, da „Loverboy“ um die Ecke bog und aus meinem Blickfeld verschwand. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich mit offenem Mund stehen geblieben war um dem Traumtypen hinterher zu schauen. Schnell klappte ich den Mund wieder zu und ging weiter meines Weges, in Gedanken zurückbleibend. „Ja bitte“, die Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Ich schüttelte mich kurz und wandte mich dann lächelnd zu der Sekretärin um. „Ich bin neu an der Schule! Meine Eltern haben mich vor einer Woche angemeldet. Mein Name ist Elisabeth Taylor!“ Während die Sekretärin meine Kartei suchte versuchte ich meine Gedanken zu sammeln. Was war bloß mit mir los. Das war nun so gar nicht meine Art! Unkonzentriert irgendwelchen Jungen hinterher zu sabbern, die ich noch nicht einmal kannte. „Du musst in Korridor neun, in die Klasse von Herrn Titt... Zimmer neunundvierzig“, höflich, wie es meine Manieren waren bedankte ich mich und machte mich mit einem „Schönen Tag noch“ auf den Lippen in Richtung Korridor neun. Vor der Tür blieb ich noch gerade stehen um mein Spiegelbild in einer Vitrine zu überprüfen. Blonde Haare, blaue Augen und ein hübsches Gesicht. Das typische durschnitt Blondschen, dem jedes primitive männliche Wesen nachpfiff, aber das niemals ernst genommen wurde. Ich seufzte und drehte mich wieder zu der Tür um. Es hatte wohl schon gegongt, denn ich hörte keinen Laut mehr aus der Klasse. „Gehst du jetzt auch mal rein? ...“ Erschrocken wirbelte ich auf der Fußsohle herum. Ich hielt den Atem an, als ich sah wer genau vor mir stand. Oh diese Augen!

Loverboy“ musterte mich. Seine Blicke wanderten an mir herunter und er setzte ein freches Grinsen auf. Zweifellos stand es ihm, doch war es mal wieder die typische Reaktion. Notgeile Typen die nach einer Null suchten, die nichts im Hirn aber genug im Dekolleté hatten.

Ich schenkte ihm ein mattes Lächeln und drehte mich zurück, um die Tür aufzumachen.

Davidson, warum sind sie noch nicht in ihrer Klasse? Der Unterricht hat schon längst angefangen“, es war der Direktor der Schule. So schnell, wie ein Mann mit Beinen wie ein Huhn nur laufen konnte, eilte er zu uns hin. Er blickte Finster durch seine Hornbrille. Dann warf er mir einen Blick zu und bellte barsch: „Und wer sind sie?“ „Elisabeth Taylor, Sir. Ich bin neu in der Stadt, und neu an dieser Schule. Meine Eltern haben mich vor kurzem angemeldet“, sagte ich, verdutzt wie vergesslich der Schulleiter war. „Ach ja, ich erinnere mich, nun worauf warten sie dann noch, ab in die Klasse, und sie auch Davidson“, er machte uns die Tür auf und schob mich und danach auch meinen Schwarm in die Klasse. „Loverboy“ murmelte schnell eine Entschuldigung an den Lehrer und setzte sich dann auf seinen Platz. Ich schloss die Tür hinter mir, und atmete noch einmal tief durch bis ich mich umdrehte. Mein Herz pochte wie wild, doch trotzdem schaffte ich es irgendwie einen Schritt vor zu machen und mich schnell, und mit knappen Worten vor zu stellen. „Nun ja“, sagte der Lehrer, der anscheinend nichts von einer neuen Schülerin wusste, „Ja, Elisabeth, dann setz dich doch auf den leeren Platz neben Maja.“ Er deutete auf einen Tisch, von dem ein blondes Mädchen missmutig ihre ausgebreiteten Sachen weg räumte. Ich steuerte auf den Platz zu, und setze mich mit hochrotem Kopf hin. Mein Blut pulsierte in den Adern. Es war kaum zu übersehen, wie mich einige der Mädchen abfällig musterten. Auch Maja, neben der ich ja saß, zog fraglich die Augenbrauen hoch, während sie auf meine Boots und meine Röhrenjeans blickte. Ich würdigte sie keines Blickes. Es war nun mal mein Stil, alles etwas lockerer zu nehmen, und in dieser Weise zog ich mich auch an. „Können wir denn nun anfangen?“, Herr Titt war ein kugelrunder, kleiner Mann mit einem freundlichen Gesicht, doch gerade blickte er sehr streng. Während er Zitate Goethes an die Tafel schrieb, wurde es lauter in der Klasse. Ich schrieb mit, und achtete nicht auf das viele Gemurmel dass um mich herum begann. „So ein kleine Streberin ohne Geschmack! Das hat uns gerade noch gefehlt!“ Mein sonst doch sehr gesunder Teint wechselte auf leicht rosa. Ich bemühte mich die Stimme von Maja und ihren Lästerschwestern zu überhören, doch fiel es mir schwer mich auf den Unterricht zu konzentrieren, während von der Seite immer gehässige Kommentare in mein Ohr wehten.

Es klingelte zur Pause. Orientierungslos, wie ich noch war, ging ich Ziellos über den Schulhof. Eine Gruppe Mädchen, aus meiner Klasse standen am Gitter, des Schulhofes, doch da sie mich keines Blickes würdigten, bestrafte ich sie mit der gleichen Gleichgültigkeit. Von weitem sah ich meinen siebzehn jährigen Bruder, umringt von ein paar Jungen der Oberstufe. Egal wo Tom hinkam, Tom war beliebt. Er sah mich und winkte mich zu ihnen herüber. Knapp stellte er mich seinen Freunden vor, die mich dumm anlächelten. Manche von ihnen waren süß, aber wirkliches Interesse kam bei mir nicht auf. Zwar war ich meinem Bruder dankbar, dass ich die erste Pause mit ihm und seinen neuen Freunden verbringen durfte, doch langweilte mich das Thema „Fußball“ langsam. Es schien, als ob ihr Leben nur aus diesem Sport zu bestehen schien und so war ich froh am Ende der Pause zur Klasse zurück kehren zu können. An der Tür, die ins Foyer führte blieb ich kurz stehen und drehte mich zu meinem Bruder um. Mittlerweile waren es nicht nur Jungen die ihn umringten. Ich seufzte. Tom war umwerfend hübsch und super lässig drauf. Er hatte immer einen coolen Spruch parat und hatte keine Probleme einfach Leute anzusprechen, die er nicht kannte. Ich sah auch Maja, Clara und Meike, wie sie meinen Bruder bewunderten, was mir ein Lächeln entlockte. Er würde sie schön abblitzen lassen, denn Tom hatte eine Freundin, und auch über fünf Stunden Fahrt, die sie nun trennte, war er treu wie ein Pudel.

Ich schlenderte gemütlich in Richtung Klasse und beobachtete das Schultreiben. Leute die Hastig die Hausaufgaben abschrieben, quatschten, das Zeug für die nächste Stunde parat legten, oder einfach nur der Musik ihres I-Pots lauschten. Hoffentlich würde ich auch schnell den Anschluss finden... Wummmmmm!