5. Kapitel






So, jetzt bin ich aber wirklich neugierig, was dieses Mal passiert, wenn ich am Fluss entlangjogge“, dachte ich, als ich meine Nike-Turnschuhe schnürte. Meine beiden Bodyguards waren die gleichen Männer wie gestern und auch sie waren bereit für den Laufpfad. Es entging mir keineswegs, dass sie immer wieder argwöhnisch über die Schulter blickten, um zu sehen, was ich so trieb, aber vielleicht dachten sie auch nur, dass ich allmählich verrückt wurde. Ich begann mit ein paar Dehnübungen und nach ein paar Minuten joggte ich locker den Weg entlang. Erneut spürte ich, wie der Wind den Schweiß auf meiner Haut trocknete. Ich hörte den rhythmischen Klang meiner Füße auf dem Erdboden und den Ruf der Vögel in den Bäumen. Ich sah die Stelle, wo ich gestürzt war und ohne nachzudenken, verließ ich den Weg und glitt hinab in die Schlucht.

Willkommen zurück in der Traumzeit, Turawwa“, sagte der alte, dunkelhäutige Mann. „Hast du heute auch Schmerzen in deinem Kopf?“

Nein, habe ich nicht, alter Mann. Aber ich würde wirklich zu gerne deinen Namen wissen. Verrätst du mir deinen Namen, alter Mann?“

Man nennt mich Baldwa, das bedeutet Der die Pfade der Traumzeit kennt, aber wir haben jetzt nicht genügend Zeit, um über Namen zu sprechen. Wir müssen gehen, sie erwartet dich bereits. Folge mir.“

Wir nahmen den gleichen Weg wie das letzte Mal und wiederum spürte ich, wie sich die Temperatur veränderte. Alle Geräusche um mich herum verschwanden. Ich hatte das Gefühl, in einem Vakuum zu gehen, wo keine Zeit existierte. Baldwa wandte sich zu mir um und blieb stehen. Er stützte sich auf seinen Speer und deutete auf die Öffnung, die sich zwischen den Teebaumsträuchern auftat. Dort konnte ich den Murrumbidgee-Fluss sehen.

Sie ist da unten. Geh zu ihr, und bei deiner Rückkehr wirst du nicht mehr der Gleiche sein.“ Ich musste blinzeln und im Nu war er verschwunden. Ich ging zum Fluss hinunter. Sie saß auf dem gleichen Felsen, in der gleichen Position und das gleiche geheimnisvolle Lächeln umspielte ihre Lippen.

Willkommen zurück, Turawwa. Setz dich und höre, was ich dir zu sagen habe. Deinen Weg hast du bisher mit viel Geschick gemeistert und die nächste Herausforderung, die dich erwartet, wird dich noch näher zu deinem wahren Selbst hinführen. Eine Vision zu haben, ist wie ein Licht anzumachen. In diesem Augenblick kannst du vor deinem geistigen Auge deinen Bestimmungsort sehen. Du nennst es deinen Traum oder dein Ziel. Wenn du diese Vision in deinem Inneren aufrecht erhältst, an dieser Vision festhältst, wirst du die Kraft haben, weiterzugehen, ungeachtet der Schwierigkeiten, die sich dir entgegenstellen werden. Das ist der Ansporn, der dich in die Zukunft bringt. Schließe deine Augen und betrachte den Weg, der dich in die Zukunft führt. Ist es ein silberner Fluss oder eine Straße, die über die Berge führt? Wenn du dieser Linie nach und nach gestattest, deutlicher zu werden und Gestalt anzunehmen, stelle dir vor, dass deine Vision am Ende des Weges auf dich wartet. Wenn Du zurückblickst, wirst du mit der Zeit die vielen verschiedenen Schritte sehen und verstehen können, die du auf dieser Linie gegangen bist, um dein Ziel zu erreichen. Aber von ebenso großer Bedeutung, und sogar noch wichtiger ist es, die Herausforderung, der du dich gestellt hast, zu erkennen, bevor du diesen Schritt unternommen hast. Was genau hast du getan? Und was genau hat sich verändert? Was hast du dabei gewonnen, als du diesen Schritt unternommen hast? Welche Veränderung hat das für dein Leben mit sich gebracht? Stelle dir diese Fragen, und du wirst deiner Vision näher kommen. Du wirst die Antworten auf deine Fragen finden, die du in der Zukunft brauchst. Sei dir darüber klar, welche Schritte du tust, und wen du mit dir nimmst. Beobachte, welche Gefühle in dir dich am Meisten bewegen. Stell dir vor, wie du am Ufer eines großen Flusses stehst. Drüben, auf der anderen Seite kannst du deine Vision sehen. Du kannst sie nicht nur sehen, du kannst auch die Stimmen und Geräusche in deinem Traum hören. Du spürst ihn tief in deinem Inneren. Du kannst es schmecken und riechen: Deine Zukunft, dein Ziel. Jetzt gehe auf die andere Seite, benutze dafür die Steine, die du selbst ins Wasser gelegt hast. Mach den ersten Schritt erst, wenn du weißt, dass du auch bereit dazu bist.“

Als ich dem rhythmischen Singsang ihrer Stimme lauschte, fiel ich langsam in Trance. Ich konnte den Fluss sehen. Die Farben waren von unglaublicher Intensität und die Geräusche von unbeschreiblicher Klarheit. Ich sah, wie ich auf den ersten Stein sprang: „MUT!“ rief ich laut aus.
Und das Mädchen mit den neun Zehen sah mich an und sprach: „Du hast nun den ersten Stein auf deinem Weg zu wahrer Führerschaft erreicht. Geh nun zurück in dein Land und stelle unter Beweis, was du gelernt hast.“

Mr. Macmilan, Mr. Macmilan, wo sind Sie, Sir?“ Ich konnte ihre Rufe vom Joggingpfad hören. Als ich die Böschung nach oben sprang, wäre ich beinahe mit Rick zusammengestoßen.

Ich bin hier, Männer. Na, dann lasst uns mal wieder in die Normalität zurückkehren!“ Sie warfen einander zweifelnde Blicke zu und zuckten mit den Schultern. Dann machten wir uns auf den Weg zurück zum Wagen.



























Habe den Mut

Deine Stimme zu erheben

um die Liebe zu erkennen