Der Babyfriedhof



Seit Ende des Jahres 2000 existiert auf dem Wiener Zentralfriedhof in der Nähe des 3. Tores ein Babygrabfeld. Es handelt sich um die Gruppe 35b. Totgeborene und verstorbene Kleinkinder bis zur Körpergröße von 110 Zentimeter haben hier ihre Ruhestätte gefunden.

Vom dritten Tor ausgehend befindet sich der Babyfriedhof bei geradliniger Strecke auf der rechten Seite nur wenige Meter nach dem Park der Ruhe und Kraft.


Rund um den Babyfriedhof und damit zusammenhängende wichtige Fragen existiert eine ausgezeichnete Homepage, die Sie unter www.gluecklose-schwangerschaft.at abrufen können. Die Geschichte des Babyfriedhofes wird dokumentiert. Zudem gibt es Verweise auf andere Informationsquellen. Jährlich findet am 2. Sonntag im Dezember eine Gedenkfeier am Wiener Zentralfriedhof statt. Im Rahmen des Worldwide candle lighting werden Kerzen für alle vorausgegangenen Kinder angezündet.


Viele Babygräber sind sehr liebevoll gestaltet. Jedes Mal, wenn ich diesem Grabfeld einen Besuch abstatte oder auch nur vorbeigehe fühle ich eine tiefe Verbundenheit zu diesen so früh verstorbenen Menschen. Es gibt Mütter und Väter, die den Verlust ihres Kindes nie verstehen können, und deren Leben von Verzweiflung und oft auch Abkehr vom Glauben gekennzeichnet ist. Dieser Schmerz ist nur schwer nachzuvollziehen. Andere Mütter und Väter halten an ihrem Glauben fest oder dieser verstärkt sich sogar. Sie begehren nicht gegen Gott auf und sind sich dessen sicher, dass ihr Kind an einem wohlbehüteten Ort existiert, wo es auf sie wartet.


Ich glaube daran, dass diese Kinder nicht nur eine winzige Ahnung vom Leben mitbekommen haben, ehe sie verstorben sind. Diese Kinder kamen von jenem Ort, von dem wir alle kamen, bis wir das Licht der Welt erblickten. Was wäre es für ein Irrsinn, wenn zwischen zwei Dunkelheiten nur ein kaum sichtbarer Streifen von Licht diese Kinder erreicht hätte? Der Glaube an Gott ist eine persönliche Sache, aber nur auf sich selbst bezogen wird er zu einer eigensinnigen Angelegenheit. Wir wünschen uns alle insgeheim, dass es den Menschen gut geht, deren Leben sich mit ihrem Tod vollendet hat. Und für mich sind es die vielen verstorbenen Babys, die meinen Glauben zusätzlich bestärken. Es kann nicht sein, dass diese Geschöpfe Gottes in das große Nichts zurückfallen, und nur Trauer und die Frage nach dem Warum bei ihren Angehörigen auslösen.

Das Leben dieser Kinder war unendlich kostbar, und ein Schatz kann sich nicht in wenigen Momenten in Luft auflösen. Manche Angehörige haben einen tiefen „Draht“ zu ihren verstorbenen Babys. Das Babygrabfeld ermöglicht es ihnen, ihrer Kinder zu gedenken, und mit ihnen in Kontakt zu bleiben, bis sie ihnen nachfolgen.