Notwendiges Vorwort –

auch für die Nicht-Ärzte unter den Lesern


Dieses Buch wendet sich ausdrücklich an Ärzte und ihre Mitarbeiter. Als Patient sollten Sie es nicht lesen. Sie würden an manchen Stellen erschrecken, weil ein klares, teilweise hart formuliertes Managementhandbuch für den heutigen Arzt in der Praxis notwendigerweise die Energieform Geld in den Mittelpunkt stellen muß. Dies wirkt auf den kranken und bedürftigen Menschen kaltschnäuzig und brutal. Die betriebswirtschaftliche ist eine der Meta-Ebenen, auf denen klare Verhältnisse vorliegen müssen, damit der menschliche Nutzen der Arzt-Patient-Beziehung voll zum Tragen kommen kann. Die heutigen Verhältnisse in Deutschland sind da eher kontraproduktiv. Dieses Büchlein hilft hier – für Ärzte und Patienten! Qualität und menschliche Echtheit der ärztlichen Leistung sind Voraussetzung dafür, daß Patienten überhaupt einen Nutzen davon erfahren.


In Deutschland gibt es viele persönlich engagierte, qualifizierte Ärzte, deren Arbeit gerade deshalb wenig einbringt, weil sie sich viel Mühe geben und die daran so leiden, daß ihre Leistung schlechter wird. Für diese Ärzte hat unser derzeitiges System keine Unterstützung. Mäßig qualifizierte Raffkes mit betriebswirtschaftlicher Begabung spielen sich dagegen immer wieder nach vorne. Die wahre Qualität der ärztlichen Leistung kann der moderne Patient nur selten korrekt beurteilen. Dieses Buch soll dem sensiblen, vielleicht eher introvertierten, in der Selbstdarstellung wenig erfahrenen Arzt wieder zur Chancengleichheit verhelfen. Deswegen steht hier das Nehmen der Gegenleistung klar und eindeutig im Vordergrund – das Geben von menschlicher Zuwendung, Echtheit, Aufmerksamkeit und Wärme wird vorausgesetzt. Diese Qualitäten sind nicht in Gold aufzuwiegen. Sie können und müssen gelernt werden.


Wer als Arzt versucht, sich um diesen Lernprozeß herumzudrücken, sieht einem üblen Ende entgegen. Natürlich gelten die Grundregeln der Selbstzahlermedizin nicht nur bei Laborleistungen, aber an ihrem Beispiel fallen viele Erklärungen besonders leicht. Der Einstieg ist auch deswegen leicht, weil die technische Leistung heutzutage relativ leicht vermehrbar ist, so daß der Arzt sich mit mehr Energie und oft ohne finanzielle Investitionen der ausführlichen persönlichen Beratung widmen kann. Gerade die Tatsache, daß im Laborbereich ärztliches Einkommen relativ schnell vermehrt werden kann, hat Gegner eines hohen ärztlichen Einkommens auf den Plan gerufen. Reichtum entsteht am schnellsten und am sichtbarsten durch Multiplikationsprozesse.


Die Aldi-Brüder sind reicher als die Käfers, weil ihr Konzept leichter multiplizierbar ist. Eine Aldi-Filiale erbringt wesentlich weniger Gewinn als eine Käfer-Filiale, aber es ist – inzwischen - leicht, davon Hunderte übers Land zu verteilen. Das nennt man Gewerbe – wir Ärzte allerdings können nur sehr Weniges in unserer Tätigkeit multiplizieren. Die Einführung der Laborgemeinschaft war ein Schritt in eine völlig neue Richtung, erstmals konnten Ärzte Geld verdienen durch fast reine Zuweisung einer Leistung, auch wenn die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) rein theoretisch immer noch die Fiktion von der „persönlichen Leistungserbringung“ hochhalten. Trotz vieler und wiederholter äußerst grober Fehler der KVen muß man festhalten, daß deren Grundidee eigentlich richtig war, nämlich das Ziel, den Arztberuf nicht zum Gewerbe werden zu lassen.