Leseprobe aus Kapitel 4


Es lassen sich im Wesentlichen sieben Kernbereiche der globalen Wirtschaft bezeichnen:



Für die genannten Kernbereiche globaler Wirtschaft gelten die folgenden Entwicklungstendenzen:



Hinter diesen vier Entwicklungstendenzen wirken Macht- und Energiehunger als die Schlüsselkräfte des beginnenden einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Eine grafische Darstellung soll dies illustrieren:




Die aufgeführten Entwicklungstendenzen der sieben Kernbereiche der Globalisierung sollen im Folgenden umrissen werden. Ich beginne mit dem „Kapital“. Hierunter zu verstehen sind nicht nur der volkswirtschaftliche Produktionsfaktor, die betriebswirtschaftlichen Produktionsmittel, die Geld- und Sachmittel, Anlagen und Forderungen etc. Gemeint ist auch zugleich die Chance, mittels Besitz von Kapital, über fremde Arbeitskraft zu gebieten, bezeichnet wird immer auch das Machtmittel.





Leseprobe aus Kapitel 7


Die bereits in der Gegenwart vollzogene Akkumulation der sachlichen und institutionellen bzw. organisatorischen Mittel auf diesem Weg zur Weltgesellschaft ist in der Geschichte ohne Beispiel. Das ökonomische, zivilisatorische und kulturelle Potential erweist sich als so gewaltig wie in keiner Epoche zuvor. Es käme darauf an, dieses Potential im Sinne einer praktischen Vernunft (Kant), d.h. im konsequent humanistischen Sinne zu nutzen und den quasi-natürlich verlaufenden Prozess sozialen Wandels zumindest teilweise in den Dienst der Befreiung von Not, Leid und Unwissenheit zu stellen.1 Utopia rückte näher.

Am Beispiel der aktuellen Weltwirtschaftskrise lässt sich das notwendige Einrücken der Vernunft in den Prozess globalen Wandels verdeutlichen:

Die im Jahr 2009 einsetzende weltweite Rezession, ausgelöst von der US-amerikanischen Banken- und Finanzkrise, hat offenbart, dass der Kapitalismus ein instabiles, der vernünftigen Lenkung entzogenes System darstellt. Die in den 1990er Jahren schrittweise durch Deregulierung bewirkte Loslösung der Finanzmärkte von der realen Produktion hat zu jenen Spekulationsblasen geführt, deren Platzen die verheerenden Schockwellen in der Weltwirtschaft auslösten. Seine eigentliche Funktion, für effektive Organisation von Produktion und Verteilung zu sorgen, wird das System nicht gerecht. Dieser Grundmangel, dass Milliarden Menschen Opfer einer ökonomischen Eigendynamik werden können, muss beseitigt werden. Im Zeitalter der Hochtechnologien stehen wir vor der Aufgabe, Wirtschaftsprozesse so zu lenken, dass alle Erdbewohner ihr Auskommen in Würde haben. Hier geht es um Fragen der Macht und nur staatliches Handeln vermag radikale, d.h. an die Wurzel reichende, Reformen herbeizuführen. Der Aberglaube an die Selbstheilungskräfte des Marktes ist als ein solcher entlarvt und hat keine Zukunft mehr. Die Ratlosigkeit auch der renommiertesten Nationalökonomen, unter ihnen einige Nobelpreisträger, im Angesicht der Finanzkrise und der Rezession, legt hiervon beredtes Zeugnis ab.

Ein Systemwandel oder doch zumindest Systemreformen stehen an.

Die totale Mobilisierung aller Potentiale des Planeten ist nicht, wie vielfach angenommen, Folge eines globalen Kapitalismus, vielmehr gilt Umgekehrtes: Der globale Kapitalismus ist Mittel, ist Hebel, mit dem eine totale Mobilisierung, Mobilmachung, Entfesselung und Erschließung tellurischer Potentiale sich vollzieht.

Mit Erfüllung dieser erdgeschichtlichen Aufgabe wird diese an sich ziellose, dem Profit- und Warenfetischismus verhaftete Wirtschaftsweise überflüssig und muss Neuem weichen.


1 Kants humanistisches Denken bewegte sich in seiner Schrift „Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht“ in diese Richtung:

Man kann die Geschichte der Menschengattung im großen als die Vollziehung eines verborgenen Plans der Natur ansehen, um eine innerlich- und zu diesem Zwecke, auch äußerlich- vollkommene Staatsverfassung zu Stande zu bringen, als den einzigen Zustand, in welchem sie alle ihre Anlagen in der Menschheit völlig entwickeln kann.“ Kant, Immanuel – Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik 1, Suhrkampausgabe, Frankfurt a. M. 1977, S. 45