Ich hab heute wahrscheinlich wieder meinen Eisprung, wenn ich richtig gerechnet habe…“

Hm… Lass mich bitte noch kurz meine Pasta essen, wenn wir uns schon die Mühe mit dem Kochen gemacht haben.“

Schmeckt es dir denn? Ich find’s viel zu scharf, du und deine blöden Soßen.“ Leicht angewidert legte sie Löffel und Gabel weg.

Mein Fehler, sorry. Ich wollte nur mal ausprobieren, ob man damit auch kochen kann, denn zum Nachwürzen bei Tisch ist das auch mir eine Spur zu heftig.“

Ich werde mich wohl eher an den Salat halten.“ Tat sie das denn nicht sowieso?

Grinsend schob Claudine den Nudelteller beiseite und zog den großen Salatteller zu sich her.

Du hast doch schon vorgesorgt, wie ich sehe, wieso sonst hast du soviel Grünzeug und ich gerade einmal die Hälfte davon?“

Du magst doch gar keinen Salat…“

Ach, seit wann denn das?“

Verdammt, die Nudeln waren wirklich die Hölle, wieso hatte ich nur soviel von der verdammten Chilisoße benutzt? Das würde noch sehr lange anhalten und mir sicherlich ein zweites Mal beim Gang zur Toilette in Erinnerung rufen, nächstes Mal vorsichtiger zu sein.

Plötzlich legt Claudine ihre Gabel auf den immer noch beachtlichen Berg Salat und sah mich intensiv von der Seite an.

Jetzt wart doch noch ein paar Minuten bitte, wir gehen gleich hoch und versuchen‘s noch mal.“ Obwohl ich eigentlich keine Lust auf Sex am Donnerstagabend habe, die Freitage sind mir lieber, dann kann ich nach dem Sex noch mal aus den Federn kriechen und mir den Spätfilm zu Gemüte führen. Donnerstags stehe ich meistens nicht mehr auf und dann ist der Abend verloren. Schade um die Zeit. Claudine macht das anscheinend nichts aus, sie kuschelt sowieso gerne.

Ich hätte gerne, dass du den ganzen Teller aufisst, wenn möglich auch noch den letzten Rest Soße!“

Mal im Ernst, auch wenn ich dafür verantwortlich bin, dass alles viel zu scharf ist, ich will mich doch nicht umbringen. Das hält kein Mensch aus.“

Claudine grinst mich mit jenem vielsagenden Lächeln an, das mir aus Erfahrung sagt, dass sie irgendwas im Schilde führt. Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, weshalb ich sie liebe – und das tu ich wirklich. Sie war ein Glücksgriff, hätte sicherlich bessere Männer als mich finden können, aber Frauen sind komische Wesen, wenn sie sich mal für was entschieden haben, dann halten sie mit Haut und Haar daran fest. Eigentlich eine liebenswürdige Eigenschaft.

Iss, mein Schatz, ich verschwinde kurz und komme gleich wieder. Bis dahin hast du hübsch aufgegessen.“

Ja Mama, ist gut Mama!“

Einer jener Sprüche, der sich durch unsere Beziehung zieht wie ein running Gag. Ich hatte keine Ahnung, was sie vorhatte, aber tat mein Möglichstes, diese verdammten Nudeln vom Teller in meinen Magen zu schaufeln.

Es war die Hölle.

Ich hatte bereits nach den ersten Bissen eine Art Taubheitsgefühl auf der Zunge, aber inzwischen bestand meine gesamte Mundhöhle aus einem flammenden Inferno. Die Hersteller dieser Soßen müsste man dazu verdammen, einmal, nur ein einziges Mal, ein solches kleines Fläschchen in einem Zug auszutrinken. Die lachen sich wahrscheinlich tot, dass es so viele Idioten auf der Welt gibt, die im Zeichen knapper Mutproben im Großstadtdschungel auf überscharfe Curry-Würste zurückgreifen müssen. Selbst Schuld, wenn man sich vor den Kollegen damit brüstet, regelmäßig scharf zu essen und dann bei Sammelbestellungen dieser Chili-Produkte zwangsläufig die Hardcore-Variante wählen muss.

Nach ein paar Minuten saß Claudine wieder wie zuvor auf ihrem Platz neben mir. Keine Veränderung.

Was hast du gemacht?“

Nichts.“

Ich schiebe den Teller von mir. „Jetzt hab ich aber die Schnauze voll, ich krieg keinen Bissen mehr runter!“

Claudine lässt nicht locker. „Ne ne, Mama hat gesagt: Aufessen!“

Komm schon, lass den Quatsch.“

Du wirst es bereuen, wenn du es nicht tust!“

Wenn Claudine solche Bemerkungen macht, dann steckt niemals eine harmlose Absicht dahinter. Es gab zuvor schon ähnliche Situationen und mit diesem Blitzen in ihren Augen konnte ich mich wirklich noch auf was gefasst machen. Brav ziehe ich meinen Teller wieder zu mir her und innerhalb weniger Minuten habe ich alles - inklusive Soße - vom Teller verputzt.

Ich stehe in Flammen!

Meine Frau nimmt den leeren Teller während ich verzweifelt versuche die letzten Soßenreste mit einer Serviette von den Lippen zu putzen, was das Brennen noch schlimmer macht.

Ein Schluck Wasser?“

Du weißt, Wasser verdünnt die Schärfe nicht…“

Sie hat Recht, die anfängliche Kühle des Wassers weicht der Hölle. Meine Zunge fühlt sich an, als gehöre sie einer Kuh, die den ganzen Tag am Wiederkauen war. Dummerweise sind Kuhzungen riesig und wollen nicht so recht in meine Mundhöhle passen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb mir aus dem Mundwinkel ein Speicheltropfen rinnt.

Komm, lass gut sein, ich sehe zumindest deinen guten Willen.“ „Was denn, ich hab doch alles aufgegessen“, versuche ich zu artikulieren, leider ohne Erfolg, obwohl ich weiß, was ich sagen möchte, verstehe ich selbst kein einziges Wort.

Guter Wille’, das ist wirklich Klasse. Mein Mund fühlt sich an, als löse er sich in seine Bestandteile auf. Wenn ich gleich so aussehe, wie ich mich fühle, dann kann ich in einem italienischen Zombiefilm aus den 70er Jahren mitspielen, das sind jene Untoten, denen allen die Nase fehlt. Komischerweise haben alle anderen Zombies Nasen. Da mir die Schärfe der Chilis genau in diese Richtung steigt, würde es mich nicht wundern, wenn mein Riechorgan in diesem Moment einfach abfallen würde.

Während ich mich mit meinem Innenleben beschäftigte, hatte sich Claudine vor mir auf den Tisch gesetzt, was mich nicht wirklich wunderte, aber doch immer wieder erfreute, wenn sie so spontan war. Natürlich war dies nicht das erste Mal, dass dies passierte. Wir hatten in unserer Beziehung inzwischen eine Freizügigkeit erreicht, die wirklich Spaß machte und nie langweilig wurde. Jetzt verstand ich auch, weshalb sie eben für ein paar Minuten verschwunden war.

Lass mich raten, du warst doch eben im Badezimmer – hast du das gemacht, was mir gerade durch den Kopf schwirrt?“ Ich bemühte mich ehrlich um eine nuschelfreie Aussprache, wenngleich ich das Gefühl hatte, als sei ich Minuten zuvor von einem Zahnarztstuhl gestiegen.

Hmmm…“

Mit einer gezielten Bewegung schob sie Teller, Glas und was sonst noch hinter ihr auf dem Tisch lag zur Seite und öffnete langsam ihre Beine, gerade so weit, dass ich beinahe nichts sehen konnte, aber wusste, was es zu sehen gab.

Frauen sind geschickt, was das angeht.